Von den Schwierigkeiten des Arbeitens unterwegs

Ein dunkler Raum mit Tisch und aufgeklapptem Laptop und Schneetreiben hinter dem Fenster
Arbeiten unterwegs ist nicht immer nur eitel Sonnenschein!

Nun sind wir also unterwegs. Nicht nur einfach Urlaub machen – auch wenn das viele Menschen immer noch glauben – sondern arbeiten unterwegs. In Amerika. Der große Traum für viele Daheimgebliebenen. Aber ist es das wirklich? Ein Traum? Die Erfüllung aller Wünsche?

Sicherlich!

Oder?

Gerade wenn du am Anfang eines Lebens als Digitaler Nomade stehst, dann wirst du von all diesen Bildern von Stränden, exotischen Ländern, spannenden Orten und zahlreichen Sehenswürdigkeiten schier überflutet. Und du kannst es kaum erwarten und stellst dir vor, wie du reist und die Welt kennen lernst und nebenbei dein Geld verdienst.

Aber manchmal ist nicht alles Gold, was glänzt.

Die Vorteile des Reisens

Es gibt unbestreitbar eine Menge Vorteile, wenn du als Digitaler Nomade um die Welt reist. Schließlich hast du dich auf Grund dieser Selbstbestimmung deines Lebens ja für diesen Lebensstil entschieden.

Du kannst in fremde und warme Länder reisen und dem Winter entfliehen. Oder aber du kannst feststellen, dass Winter in anderen Ländern mit einem anderen Blick auf die Dinge durchaus seinen Reiz haben kann!

Ein Mensch liegt im Schnee, einer fällt gerade um
Auch bei -35°C kannst du eine Menge Spaß haben!

(So ist es uns in Minnesota gegangen mit -35 °C, eine Temperatur, der ich mich eigentlich nicht freiwillig aussetzen wollte. Aber mit der richtigen Kleidung war es gar nicht so schlimm und es lässt dich ein warmes Feuer gleich doppelt so sehr genießen!)

Du wirst feststellen, dass neue Eindrücke Kreativität hervorbringen und Du schier übersprudelst vor neuen Ideen für Artikel, Projekte oder dein Leben.

Du wirst neue Menschen kennen und schätzen lernen und dich durch die Gespräche mit ihnen weiterentwickeln, weil sie dir neue Sichtweisen aufzeigen und andere Perspektiven ermöglichen. Vielleicht wirst du sogar neue Freunde für’s Leben finden.

Kurzum: Reisen erweitert den Horizont und du wirst auf keinen Fall dümmer!

Die Nachteile des Reisens

Aber was dir viele Langzeitreisende nicht verraten: Du wirst müde sein! Und es wird dich immer wieder Kraft und Mühe kosten, dein Zeit- bzw. Selbstmanagement aufrecht zu erhalten.

Denn es sind nicht nur diese ganzen neuen Eindrücken, die auf dich einprasseln und die es zu verarbeiten gilt. Es ist auch die andere Sprache und Kultur an die du dich gewöhnen musst. Es sind die Kleinigkeiten wie einen Ort zum Essen kaufen oder eine Reinigung zu finden, es sind die unzähligen ungewohnten und neu zu lernenden Dinge, die nahezu jeden Menschen anstrengen.

Blick von hinten durch einen kleineren Bus
Als Digitaler Nomade wirst du viel Zeit in öffentlichen Transportmitteln verbringen. Nicht alle sind so bequem wie dieser Bus.

Und dazu kommen die Flüge, Fahrten und Transfere, die außerdem Zeit kosten und dich gerade bei Langzeitreisen ermüden. Und die weitere Unsicherheiten hervorbringen. Klappt alles? Schaffe ich den Anschluss? Habe ich den richtigen Zug?

Dazu kommen die Abschiede von all den Menschen, die du getroffen und vielleicht in dein Herz geschlossen hast. Gerade bei großen Entfernungen weißt du manchmal nicht, wann ihr euch einmal wieder seht. Oder ob überhaupt.

Und nebenbei musst du eigentlich auch noch arbeiten.

Es ist halt kein Urlaub!

Meine Tipps gegen die Schwierigkeiten beim arbeiten unterwegs

All diese Vor- und Nachteile haben wir kennen gelernt. Wird uns das abhalten die nächste Reise anzutreten? Sicher nicht!

Und das sollte es dich auch nicht. Auch wenn unser Reisealltag noch lange nicht perfekt ist, haben wir gerade jetzt bei unserer ersten größeren Reise als Digitale Nomaden das eine oder andere gelernt. Es wird uns hoffentlich helfen, den Reisealltag noch komfortabler zu gestalten und wird auch dir das arbeiten unterwegs hoffentlich erleichtern.

Erwarte nicht zu viel!

Damit meine ich vor allem, dass es unmöglich ist gleich bei deiner ersten Reise perfekt zu sein. Du wirst Fehler machen.

Bahnschienen an einem einsamen Ort
Manchmal führen Schienen ins Nirgendwo. Aber auch da kann ein spannendes Abenteuer auf dich warten.

Egal wie viel du im Vorfeld an Tipps und Tricks liest, du wirst in irgendein Fettnäpfchen treten oder irgendeinen Fehler machen, den die anderen noch nicht gemacht haben oder von denen sie dir nichts erzählt haben. Das ist aber nicht schlimm. Denn Irren ist menschlich! Und was willst du deinen Enkeln erzählen, wenn dir niemals Pannen passieren?

Plane deine Reisezeit großzügig!

Damit meine ich sowohl deine Reisezeiten als auch deine Transferzeiten. Denn gerade am Anfang wirst du lieber etwas zu früh am Flughafen sein wollen als zu spät. Und in einem fremden Land lässt sich auch schwer einschätzen, wie lange du brauchen wirst. Also plane deine Transferzeiten lieber großzügig ein. Und handhabe das genauso bei deinen Abwesenheitszeiten bei langen Reiseabschnitten. Was ich damit meine? Ein Flughafen mag nicht der schlechteste Ort sein, um zu arbeiten. Aber gerade wenn du wie wir noch nicht so wahnsinnig erfahren bist was das arbeiten unterwegs angeht, dann wirst du dort kaum hochkonzentriert arbeiten können. Das mag sich alles ändern, wenn du reiseerfahrener wirst. Bis dahin plane einfach deine Reise- und Transferzeit als abwesend ein und freu dich einfach, falls du doch in der Zeit etwas erledigt bekommst.

Ich werde mir für meine Flughafen-Wartezeiten jetzt immer Fleißaufgaben bereit halten, die keine große Konzentration oder gut funktionierendes Internet erfordern. So etwas wie Fotos, die bereits auf meinem Laptop sind sortieren (mit externen Festplatten oder der Kamera hantieren ist meistens etwas umständlich auf einem Flughafen. Du hast ja selten einen Tisch und manchmal nicht einmal einen Stuhl.) oder Dateien aufräumen oder auch mir einen Redaktionsplan für das kommende Jahr erstellen oder Pläne schmieden.

Ein Mann sitzt mit einem Laptop auf einem Flughafen im Hintergrund das Rollfeld
Arbeiten auf einem Flughafen ist nicht ideal, aber möglich.

Alternativ habe ich verschiedene Bücher auf meinem kindle, die je nach Müdigkeit zwischen einfacher Unterhaltung und anspruchsvollem Fachbuch variieren. So bin ich für jede Situation gewappnet.

Womit wir zum nächsten Punkt kommen:

Versuch nicht alles zu wollen

Es wird dir nicht gelingen. Egal ob du wie wir eine Woche in New York bist oder einen Monat oder ein Jahr, du wirst es nicht schaffen alles zu sehen zu bekommen. Und egal was die Daheim-gebliebenen sagen: das ist auch gar nicht nötig! Denn du führst jetzt ein selbstbestimmtes Leben. Das heißt, dass du jederzeit wieder nach New York zurück kehren kannst. Und wenn es dir wichtiger ist eine Kneipentour zu machen und den nächsten Tag auszuschlafen als auf die Freiheitsstatue zu klettern, dann ist das dein gutes Recht. Und wenn dir New York gar nicht gefällt, weil es dir zu groß und laut ist, dann ist auch das in Ordnung. Denn jeder Mensch hat seine eigene Meinung und seine eigenen Interessen. Und das ist auch gut so!

Sobald du dich also von dem Druck befreist alles sehen zu wollen, verschaffst du dir ein weiteres Stück Freiheit. Denn jetzt entscheidest du, was du wann sehen willst oder ob es im Moment wichtiger ist New Jersey New Jersey sein zu lassen und lieber an deinem aktuellen Blogartikel zu arbeiten. Oder ob du dir einen ganzen Tag Sightseeing erlauben kannst, weil gerade keine akut wichtigen Aufgaben anstehen.

New York in der Dämmerung
Den ganzen Tag Zeit für Sightseeing hast du nur mit einem ordentlichen Zeitplan.

Um das entscheiden zu können, ist der nächste Punkt wichtig:

Organisiere dich selbst!

Sicherlich ist es schön, wenn du dich einfach treiben lassen und in den Tag hinein leben kannst. Nur in den allermeisten Fällen kannst du das nur, wenn du dir vorher schon den Rücken krumm gearbeitet hast und jetzt die Lorbeeren erntest oder aber wenn dir Geld nicht wichtig ist und du durch Geoarbitrage schon irgendwie so über die Runden kommst.

Für all die anderen unter uns, die gerade in eine Selbstständigkeit gestartet sind oder deren Unternehmen  noch nicht von alleine läuft, habe ich einen guten Tipp, wie sich das Leben wie „Dahin treiben lassen“ anfühlt, tatsächlich aber effektive Arbeit ermöglicht: Selbstmanagement!

Es mag sich im ersten Moment verrückt anhören Zeit und das Gefühl von Laissez faire zu gewinnen, in dem du deine Zeit organisierst. Tatsache ist aber, dass du nur ein Gefühl von sich treiben lassen können erreichst, wenn du weißt, was du wann erledigt haben musst. Sonst sitzt dir das schlechte Gewissen, dieser kleine Teufel, beständig im Nacken und flüstert dir ins Ohr, dass das ja alles ganz schön ist, du aber eigentlich noch XY erledigt haben musst. Wenn du dir allerdings abends kurz ein paar Minuten Zeit nimmst, um den Tag Revue passieren zu lassen und zu planen, was du am nächsten Tag unbedingt erledigt haben musst, dann kannst du am nächsten Morgen ganz beruhigt länger schlafen.

Das setzt natürlich voraus, dass du deine Aufgaben kennst und priorisieren kannst. Alles eine Frage der Übung 😉

Reise langsam!

Ja, es gibt unfassbar viele Orte auf der Welt, die sich zu bereisen lohnt! Dennoch solltest du dir auch bei der Planung deiner Reise den vorherigen Punkt zu Herzen nehmen und nicht versuchen alles sehen zu wollen. Du wirst es selbst bei allerbestem Selbstmanagement nicht schaffen effektiv zu arbeiten, wenn du jede Nacht in einem neuen Ort verbringst. Schon alleine wegen der Reise- und Transferzeiten, in denen ein stabiles Internet nicht unbedingt selbstverständlich ist.  Dazu kommt, dass es manches Mal auch in deiner Unterkunft vermutlich kein funktionierendes WLAN gibt, auch wenn du es gebucht hast. Dann vergeht noch etwas mehr Zeit mit der Suche nach diesem Internet.

Bett mit Handtüchern
Wenn du langsam reist, kannst du dich auch in der Ferne heimisch fühlen und effektiv arbeiten.

Daher meine dringende Empfehlung: lieber nur einmal in der Woche den Aufenthaltsort wechseln. Vielleicht sogar noch seltener. Denk immer daran: es ist kein Urlaub! Du hast also noch dein ganzes Leben Zeit all die schönen Orte dieser Welt zu bereisen.

Arbeite vor!

Und wenn du nun einen neuen Blog, ein Magazin oder was auch immer gestartet hast, das regelmäßigen Output benötigt und du nicht jeden zweiten Tag genötigt sein möchtest unbedingt etwas dafür zu tun?

Dann arbeite vor!

Sowohl bei WordPress als auch bei Facebook gibt es die Möglichkeit deine Artikel, Beiträge, Posts auf einen späteren Zeitpunkt zu terminieren. So habe ich das für ein anderes Projekt auch gemacht. Ich wusste, dort passiert regelmäßig etwas, was mir die Freiheit gegeben hat, auch mal eine Woche lang nur Kommentare zu beantworten.

Und das funktioniert in Zusammenarbeit mit deinen Kunden auch. Sei einfach offen und ehrlich mit ihnen und liefere ihnen schnell zuverlässige Ergebnisse, dann sehen sie dir auch nach, wenn es mal zwei oder drei Tage dauert bis ihre E-Mail beantwortet ist. Sollten sich in dem Bereich, in dem du arbeitest, Notfälle ergeben können (Server down, Webseite eines Kunden gehackt, oder was auch immer), dann solltest du dir im Vorfeld eine Strategie überlegen. Beispielsweise eine Notfallnummer, über die du immer erreichbar bist (dank dem Internet gibt es ja verschiedene Möglichkeiten, mit denen du das realisieren kannst beispielsweise Skype oder Sipgate) oder ein Kollege, der im Notfall einspringen kann.

Laptop auf einem Tisch vor einem Bungalow
Arbeiten unterwegs bedeutet ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Du siehst, es gibt den einen oder anderen Unterschied beim arbeiten unterwegs im Gegensatz zum Arbeiten in deiner gewohnten Umgebung. Und mit Sicherheit ist es nicht unbedingt der leichtere Weg, den du als Digitaler Nomade gehst. Aber das hat ja auch keiner behauptet!

Dafür erlebst du aber die Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Und irgendwann wird dir das Reisen und arbeiten unterwegs zur Routine geworden sein. Dann sind die Schwierigkeiten, die ich dir aufgezählt habe keine mehr und du bist wirklich und wahrhaftig frei.

Daran glaube ich ganz fest und freue mich jetzt schon auf den Moment!

Was sagst du zu den Schwierigkeiten beim arbeiten unterwegs?

Halten sie dich vom Reisen ab? Oder beflügeln sie dich so wie uns?

Oder habe ich noch welche vergessen?

Du weißt ja, wir freuen uns über jeden Kommentar!

Über Steffi 78 Artikel
Ich bin Stefanie und reise mit meinem Mann als Digitale Nomaden um die Welt. Auf unserem Blog schreibe ich hauptsächlich über die Gedanken und Vorbereitungen auf dem Weg zum Start unserer Reise ebenso wie die Aufgaben, die sich uns unterwegs stellen.

4 Kommentare

  1. Herzlichen Dank für diesen Artikel, denn das ist ein Thema, mit dem ich immer ringe.

    Bei jeder Ortsänderung oder besonderen Ereignissen, also immer wenn ich aus dem Takt gekommen bin, habe ich echt Schwierigkeiten, wieder reinzukommen.

    Damit habe ich eigentlich gar nicht gerechnet, denn eigentlich bin ich ziemlich diszipliniert. Aber es erfordert immer einige extra Energie, um wieder einen neuen Rhythmus zu etablieren.

    Viel Spaß unterwegs!
    Christiane

    • Hallo Christiane,
      gern geschehen 🙂 Ich weiß, dass es immer gut tut, zu erkennen, dass man nicht alleine ist mit seinen Problemen. Deswegen schreibe ich diese Artikel ja!
      Ich glaube, der erste Schritt ist zu erkennen, dass einem irgendetwas Energie raubt und dann kommt das Nachforschen, was genau das ist. Ich weiß bei mir auch noch nicht so genau, wie ich es schaffe, meinen Arbeitsrhythmus auf Reisen beizubehalten. So lange akzeptiere ich einfach, dass ich vielleicht nicht ganz so produktiv bin wie zu Hause, dafür aber glücklicher 🙂
      Liebe Grüße von unterwegs
      Steffi

  2. Ich finde das arbeiten unterwegs zwar schön, aber ich finde es nimmt auch immer ein bisschen den Zauber. Aber so ist es wohl, wenn man auf Reisen arbeitet. Abhalten lassen wir uns trotzdem nicht 🙂

    Viele Grüße,

    Sabrina

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