Duluth und die Twin Cities

Eingang zum College of St. Scholastica in Duluth, MN

Wie ich bereits im ersten Teil meines Reiseberichtes geschrieben habe, durfte ich im Rahmen meiner Lehrertätigkeit an der Medizinischen Berufsfachschule in Leipzig ein Schüleraustauschprogramm nach Duluth, Minnesota, Amerika begleiten. Dafür ging es vom 22.09. bis 09.10.2013 zum ersten Mal für mich über den großen Teich nach Amerika. Im zweiten Teil soll es nun ein wenig mehr um die Städte gehen, die ich dabei besucht habe: Duluth und die Twin Cities Minneapolis und St. Paul.

Duluth

Duluth ist eine Stadt in Minnesota, die direkt am unteren süd-westlichen Ende des Lake Superior liegt. Der Hafen in Duluth ist ein wichtiger Umschlagplatz für verschiedene Rohstoffe aus dem mittleren Westen, da der Lake Superior über den Sankt-Lorenz-Seeweg mit dem Atlantik verbunden ist – auch wenn Duluth 2000 km weit im Landesinneren liegt. Man kann aber nicht nur in der Umgebung von Duluth schöne Ausflüge machen, sondern auch Duluth selbst hat das eine oder andere zu bieten. Downtown Duluth zum Beispiel, die um die Superior Street gelegene Innenstadt, in der man ein bisschen flanieren, shoppen oder Kaffee trinken kann. Zum Beispiel im Va Bene mit einem grandiosen Blick von der Terasse bzw. dem Wintergarten über den Lake Superior. Dort kann man auch abends sehr stimmungsvoll sitzen und wirklich gut italienisch essen.

Und von dort aus kann man dann seinen Weg auf dem Duluth Lakewalk bzw. dem Superior Hiking Trail fortführen. Dieser führt direkt am Ufer des Lake Superior entlang und in nordöstlicher Richtung unter anderem durch den Leif Erikson Park Rose Garden. Der Rosengarten ist ein wirklich schön angelegter Park im Englischen Stil mit über 3000 Rosen und einem schönen Ausblick über den Lake Superior und die Lift Bridge. In südwestlicher Richtung verläuft er bis nach Canal Park und Park Point, auf die ich weiter unten noch eingehen werde.

Rosengarten
Leif Erikson Park Rosengarten mit pinkfarbenen Rabatten zu Ehren des Welt-Brustkrebs-Tages
Rosengarden
Leif Erikson Park Rosegarden – beliebter Fotopunkt
Leif Erikson Rose Garden in Duluth am Lake Superior
Leif Erikson Rose Garden in Duluth am Lake Superior

Wenn man nicht so gerne läuft, dann kann dem Skyline Parkway folgen. Das ist ein ca. 40 km lange Verbindung verschiedener parallel zum Ufer des Lake Superior gelegene Straßen, die vom Südwesten Duluth bis nach Nordosten reichen. Auf allen Straßen hat man immer wieder einen wunderbaren Blick über die Stadt und den See. Ein besonders schöner Aussichtspunkt ist der Enger Tower, ein von dem norwegischen Einwanderer Bert Enger 1939 zu Ehren des norwegischen Kronprinzenpaares gestifteter Aussichtsturm. Von diesem aus sieht man nicht nur den Enger Golf Course, sondern auch die Landzunge Park Point, die sich in den See erstreckt.

Canal Park und Park Point

Die Landzunge erstreckt sich von Downtown Duluth in den Lake Superior und beinhaltet die beiden Canal Park und Park Point genannten Stadtteile. In Canal Park finden sich einige kleine und größere Boutiquen und Läden vor allem ansässiger Händler. Man findet dort zauberhafte Cafes wie das Amazing Grace und Restaurants, wie Grandma’s Saloon und Grill oder Old Chicagos Pizza.  Außerdem findet man dort Brauereien wie die Canal Park Brewing Company, die man besichtigen kann. Eine Übersicht über die Möglichkeiten seine kulinarischen Gelüste in Duluth zu stillen, gibt es hier.

 

Von Canal Park kann man bis zur Park Point Recreation Area, dem äußersten Ende der Landzunge wandern. Es ist ein knapp 11km langer Weg, der an der Uferpromenade beginnt, zum Teil direkt am Sandstrand entlang führt und mit dem Park Point Nature Trail endet. Dieser beginnt am kleinen Sky Harbor genannten Flughafen, der sozusagen das Ende des bebauten Teiles von Park Point markiert. Man kann in Canal Park auch schlafen zum Beispiel in den Canal Park Lodge.

Park Point ist über die Aerial Lift Bridge, das Wahrzeichen von Duluth, mit dem Canal Park genannten Teil verbunden. Was die Lift Bridge so einzigartig macht ist die Tatsache, dass sie eine Hubbrücke ist, sich also die gesamte Straße hebt und senkt. Die Straße für die Fußgänger und Autofahrer kann innerhalb von 55 Sekunden um rund 40 Meter angehoben werden. Dies geschieht je nach Schiffsverkehr bis zu 30 Mal täglich wobei die Transportschiffe immer Vorrang haben. Das bedeutet, dass die in Park Point lebenden Menschen durchaus auf ihrer Landzunge festsitzen können. Es gibt sogar einen eigenen Namen dafür zu spät zu kommen, weil die Brücke oben war: Man sagt man wurde gebridged. In Park Point liegt auch der einzige Strand am Lake Superior, der Park Point Beach.Lake Superior Park Point

Haunted Irvine

Die Landzunge trennt den Hafen von Duluth vom Lake Superior ab. In diesem Hafen liegt die SS William A. Irvine. Sie war das Flagschiff der U.S. Steel’s Great Lakes-Flotte und wurde 1937 gebaut. Nach mehr als 40 Jahren Transport von Eisenerz und Kohle liegt sie seit 1978 als Museumsschiff im Hafen von Duluth. Mann kann sie von November bis September besuchen. Die einzige Ausnahme ist der Oktober. Denn dann verwandelt sich das Museums- in ein Geisterschiff. Jedes Jahr gibt es ein anderes „Horrorthema“, das von engagierten Laien-Schauspielern umgesetzt wird. Dieses Jahr war das Thema Blackthorne Irrenanstalt. Für Menschen mit schwachen Nerven – so wie ich – ist es ein sehr gruseliges Geisterschiff. Mir würden alleine schon die engen Gänge und die Dunkelheit reichen um meine Nerven zu strapazieren und dazu dann noch die Geräusche und die Menschen, die alles daran geben einen zu erschrecken. Puh…habe ich schlecht geschlafen in der folgenden Nacht!

Haunted Ship Duluth
Haunted Ship William A. Irvin im Hafen von Duluth

College St. Scholastica

Sehenswert in Duluth ist auch das College St. Scholastica. Es wurde 1912 von benediktinischen Nonnen gegründet, die es auch nach wie vor leiten. Auf dem Campus-Gelände kann man die beeindruckende Tower Hall und die anderen Studiengebäuden besichtigen. Des weiteren sind verschiedene Studentenwohnungen in die Landschaft eingebettet sowie das Altenpflegeheim St. Benedictine Health Center und die darin integrierte Kindertagesstätte. Nach wie vor ist auch ein Kloster der Benediktinerinnen Teil des College of St. Scholastica was ebenfalls ein direkt an dem Fußballplatz des College gelegenen Friedhof beinhaltet. Die Symbiose von Alt und Jung sowie von Alltag und Religion ist dort weit verbreitet und in meinen Augen gut geglückt.

Tower Hall im Nebel
Tower Hall vom College St. Scholastica im morgendlichen Nebel
Tower Hall CSS
Aufgang zur Tower Hall, dem Hauptgebäude des College St. Scholastica
CSS Somers
Somers Hall College St. Scholastica in Duluth

Twin Cities

Nur 251 km trennen Duluth von der Metropolregion Twin Cities, die von den beiden größten Städten in Minnesota Minneapolis und St. Paul gebildet wird. Die beiden Städte, in denen ich ein Wochenende verbrachte, sind durch den Mississippi River getrennt. Es gibt zahllose Möglichkeiten sich in den Twin Cities zu amüsieren. Im Folgenden stelle ich nur einige wenige Attraktionen vor, die ich besucht habe.

Minnesota State Capitol

In St. Paul, der Hauptstadt von Minnesota habe ich eine Führung durch das Minnesota State Capitol mitgemacht. Das Kapitol wurde 1905 nach dem Vorbild des Petersdoms in Rom errichtet. Ein beeindruckendes Gebäude von außen wie von innen. Die Führungen finden zu jeder vollen Stunde statt und dauern 45 Minuten. Man besichtigt die Legislative and Supreme Court chambers und den Empfangsraum des Gouverneur. Und für deutsche Besucher endet die Tour im Keller, der das Rathskeller Café beherbergt. Schon ein lustiges Gefühl, wenn man mitten in Amerika deutsche Sprüche an den Wänden liest.

Capitol St. Paul
Minnesota State Capitol in St. Paul
Rathskeller Capitol St. Paul
Rathskeller im Minnesota State Capitol – voller deutscher Sprüche an den Wänden

Cathedral of Saint Paul

Wenn man aus dem Fenster im Büro des Gouverneurs schaut, sieht man die Kathedrale von Sankt Paul. Sie ist die Bischofskirche des römisch-katholischen Erzbistums Saint Paul und Minneapolis und wurde 1915 geweiht. Man kann sie jederzeit besichtigen, sollte nur – wie in allen Kirchen – die Messezeiten beachten. Wenn man sie von innen betrachtet, kommt man sich vor wie in altehrwürdigen Kirchen in Europa – mit dem großen Unterschied, dass diese Kathedrale mal gerade 100 Jahre alt ist!

Kathedrale St. Paul
St. Paul Cathedral gegenüber vom Minnesota State Capitol in St. Paul

Symphonie

Wenn man es klassisch mag, dann kann man seinen Abend im Ordway Theatre ausklingen lassen. Dieses findet man in 345 Washington Street, St. Paul – direkt um die Ecke vom Xcel Energy Center, dem Stadion des Eishockeyteams Minnesota Wilds. Diese räumliche Nähe sorgt für eine spannende Mischung an Menschen auf den Straßen, in den Parkhäusern und in den Restaurants drumherum, wenn ein Eishockeyspiel mit einem Opernabend zusammenfällt!

Im Ordway Theatre finden Konzerte des Saint Paul Chamber Orchestra und des Schubert-Clubs statt, sowie verschiedene Theater- und Tanzaufführungen und nicht zu vergessen die Minnesota-Oper. Eine komplette Auflistung aller Veranstaltungen, findet ihr hier.

Mills Ruins Park und Mill City Museum

Auf der anderen Seite des Mississippi Rivers liegt Minneapolis. Es wurde an den Saint Anthony Falls gegründet, da diese eine ideale Grundlage für Sägewerke und Getreidemühlen schafften. Im Laufe der Zeit wurde die Mehlindustrie immer unabhängiger von der Wasserkraft und benötigt mittlerweile eine Infrastruktur, die sie an Standorte an den Stadtrand zog. So wurde die Gegend rund um die Saint Anthony Falls spätestens nach dem Brand der Washburn „A“ Mill 1991 ein historisches Viertel. In diesem liegt unter anderem der Mills Ruins Park und das Mill City Museum.

Mills Park
In der Ruine in der Mitte liegt das Mill City Museum
Mills Ruins Park
Der Mills Ruin Park in Minneapolis direkt an den St. Anthony Falls im Mississippi River

Der Park liegt in unmittelbarer Nähe zu der 1883 erbauten Stone Arch Bridge, einer der schönsten Brücken, die Minneapolis mit St. Paul verbinden. Er zeigt aufbereitet die Ruinen verschiedener Mühlen und deren Wasserkraftwerke. Was man sieht, ist auf informativen Tafeln an verschiedenen Standpunkten festgehalten worden. Von der Stone Arch Bridge aus schaut man auf die Ruinen der Washburn „A“ Mill, die einstmals eine der größten Mehlproduktionsstätten ihrer Zeit gewesen ist. Nachdem sie 1991 abgebrannt ist, wurde in ihre Ruinen ein Museum gebaut, das 2003 seine Pforten öffnete. Es beschäftigt sich nur mit der Mehlproduktion in der Washburn „A“ Mill sondern allgemein mit der Gründung und dem Wachstum von Minneapolis – das eng mit der Mehlproduktion zusammenhängt. Das Mill City Museum ist nicht nur ein informatives und interaktives Museum für Groß und Klein (man kann zum Beispiel an verschiedenen Versuchsaufbauten spielerisch die Kraft des Wassers erfahren und sehr zu empfehlen ist die Tour mit dem Lastenfahrstuhl als interaktivem Kino), sondern durch die Ruinen auch ein gern genommener Ort für Fotoshootings jeglicher Anlässe (Fotos anlässlich des 16. oder jeglichem anderen Geburtstagen, dem Abschluss der High School oder der Hochzeit um nur einige zu nennen). Die Eingangshalle kann man für seine Veranstaltungen wie zum Beispiel die Hochzeitsfeier buchen – was wesentlich stimmungsvoller ist, als es sich jetzt vielleicht anhört!

Kurz gesagt ist beides unbedingt einen Besuch wert – auch wenn man sich vielleicht nicht so für Mehlproduktion interessiert!

Skulpturenpark

Ein weiteres Highlight in Minneapolis ist der Skulpturenpark.

Skulpturengarten
Spoon and Cherry im Skulpturenpark am Walker Art Center in Minneapolis

Er liegt gegenüber dem Kunstmuseum Walker Art Center am Vineland Place und zeigt neben den Skulpturen einen schönen Blick über die Skyline von Minneapolis und die St. Mary-Basilika. Im kostenlosen Skulpturenpark sind über 40 Installationen zu besichtigen. Damit gehört er zu den größten städtischen Skulpturengärten in den USA. Mittelpunkt des Parkes bildet ein Brunnen mit einem riesigen Löffel und einer Kirsche, an dem man sogar heiraten kann. Und an dem – wie an allen stimmungsvollen Punkten in Amerika- zahlreiche Fotoshootings zu diversen Anlässen stattfinden. Zu dem Park gehören neben den festen Installationen auch zahlreiche wechselnde Ausstellungen und ein tropisches Gewächshaus, das Cowles Conservatory, das man für die verschiedensten Anlässe (Geburtstags- und Hochzeitsfeiern, Firmenevents) buchen kann.

Über die Irene Hixon Whitney-Fußgängerbrücke kommt man vom Skulpturenpark in den Loring Park und zurück ins Zentrum von Minneapolis. Dort findet man zahlreiche Cafés und kann sogar in einem Teil des Parks seinen Hund ohne Leine laufen lassen.

Skulpturenpark Brücke
Irene Hixon Whitney Fußgängerbrücke mit Blick vom Skulpturenpark auf die Basilika von St. Mary

Mall of America

Wenn man sich in den Twin Cities aufhält, dann sollte man auf jeden Fall einen Shopping-Tag in der Mall of America einplanen. Sie liegt in Bloomington, ca. 15 min von Minneapolis und St. Paul entfernt und gehörte bei ihrer Eröffnung 1992 zu den größten Einkaufscentern der Welt. Heutzutage ist sie von den Malls zum Beispiel in Dubai überholt worden, ist aber nach wie vor beeindruckend. Denn man kann dort nicht nur in 520 Läden einkaufen oder in 50 verschiedenen Restaurants schlemmen, sondern auch im Nickelodeon Universe Achterbahn fahren und zwar IM Einkaufscenter. Ein Freizeitpark in einem Einkaufszentrum – ideale Verbindung zwischen Kinder(Männer)betreuung und weiblichen Einkaufsfreuden oder total unnötig? Das muss jeder für sich selber entscheiden. Auf jeden Fall kann man wohl ohne Probleme Tage dort verbringen!

Heeme

Und nach etwas mehr als zwei anstrengenden, aufregenden, ereignisreichen, interessanten, lehrreichen und unvergesslichen Wochen, war dann auch schon die Zeit für meinen Abschied von Amerika gekommen.

Über Steffi 78 Artikel
Ich bin Stefanie und reise mit meinem Mann als Digitale Nomaden um die Welt. Auf unserem Blog schreibe ich hauptsächlich über die Gedanken und Vorbereitungen auf dem Weg zum Start unserer Reise ebenso wie die Aufgaben, die sich uns unterwegs stellen.

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